Chronik - "Schützenwesen in Laatzen"

aus der Festschrift zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Schützenvereins Laatzen gegr. 1904 e.V.

 

In Laatzen hat die Feier des Schützenfestes eine Tradition, die schon Jahrhunderte lang zurückreicht. War für das Schützenwesen ursprünglich die Abwehr von Feinden eine Notwendigkeit, die hohen Gemeinsinn und solidarisches Handeln für die Gemeinschaft forderte, verlor sich später der Wehrgedanke immer mehr. Das Schützenfest ist aber in seiner Wandlung zum Volksfest immer noch ein Beweis für den Gemeinsinn der Bürger geblieben.

Die Form, in der das Schützenfest heute gefeiert wird, geht auf einen Amtsbefehl aus dem Jahre 1697 zurück. Er ordnete Schießübungen im so genannten "Kleinen Freien" an, also in den Dörfern Döhren, Wülfel und Laatzen. Seit dieser Zeit wurde das Fest in Laatzen ständig um die Pfingsttage gefeiert - eine Tradition, die bis 1958 aufrechterhalten wurde. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts dauerte die Feier immer drei Tage. Sie wurde von zwei am Osterabend gewählten "Schaffern" vorbereitet. Die "Schaffer" bestimmten den Sonntag, an dem das Fest seinen Anfang nehmen sollte. Sie besorgten die Zelte und die Musikanten und trugen die Verantwortung für den Ablauf des Festes. Geschossen wurde auf dem "Kampe"; das ist das Gebiet an der heutigen Leinerandstraße. Die Waffen waren großkalibrig. Der beste Schütze wurde zum Schützenkönig ausgerufen und erhielt eine große Holzscheibe, auf der die Treffer der einzelnen Schüsse markiert waren. Die älteste erhaltene Scheibe aus der Vorvereinszeit hängt heute am Haus Kapellenbrink 18 und stammt aus dem Jahre 1892.

Im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts drängte die Entwicklung immer mehr zu vereinsähnlichen Zusammenschlüssen. Dieser Zeit entstammt die Fahne des "Schützen-Unterstützungs-Vereins" aus dem Jahre 1873, die im Jahre 1954 dem Schützenverein Laatzen von 1904 von unserem verstorbenen Schützenbruder Heinz Zieseniß gestiftet wurde. Die Fahne, die der Großvater unseres Schützenbruders ständig verwahrt hatte, wurde erst zu diesem Zeitpunkt wieder aufgefunden - nachdem sie lange Zeit in Vergessenheit geraten war.

Kurz vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gab es bei der Durchführung des Volksfestes gelegentlich dadurch unschöne Auswüchse, daß sich die Junggesellenschaft des Ortes über die Form der Veranstaltung nicht einigen konnte und sich immer mehrere Gruppen bildeten, die alle das Schützenfest ausrichten wollten. Aus diesem Grunde ergriff im Jahre 1904 der damalige Gemeindevorsteher des Ortes, der Landwirt August Schaper sen., die Initiative und beendete diese Verhältnisse. Zum 29. März 1904 lud er alle Männer der Gemeinde Laatzen zur Gründungsversammlung für einen Schützenverein. 46 Einwohner folgten dem Rufe und gründeten den

Schützenverein Laatzen gegründet 1904

zu dessen ersten Vorsitzenden August Schaper sen. - der Initiator selbst - gewählt wurde.