Spielmannszug
Chronik - "Die 80er"
Anfang der achtziger Jahre kamen Fanfarenzüge, die auf Ventil-Fanfaren spielen, beim Publikum groß in Mode (Die Klasse, in der sie auf den Wettstreiten starteten, hieß "Fanfarenzug-modern"!). Die "Kids" hatten nun mehr Freude daran, auf Paradetrommeln zu dreschen statt Figuren auf der Marschtrommel zu schlagen oder sich gar mit einer kleinen Querflöte abzuquälen. Noch dazu lockten die schmucken, farbenprächtigen Uniformen. 1983 gründete sich das Fanfarencorps Laatzen. Die "Roten", mit denen uns heute eine gute Freundschaft verbindet, waren plötzlich eine starke Konkurrenz für die Spielleute und konnten sich damals über einige gut ausgebildete Nachwuchsspieler aus unseren Reihen freuen. Die Spielleute, die dem Spielmannszug treu blieben, wurden, wenn sie das 18.Lebensjahr vollendet hatten, nach Ableistung einer lustigen Prüfungsaufgabe in den Stammzug übernommen.
Bild oben: Ministerpräsident Albrecht mit Spielmannszug am 22.2.1986 in der Stadthalle Hannover
Es folgten einige bemerkenswerte und bis heute unübertroffene Auftritte oder Veranstaltungen:
Beim Schützenausmarsch in Hannover wurde der Spielmannszug Laatzen von einer Jury für seine herausragende Marschordnung ausgezeichnet (...und nannte sich danach respektlos "bestangezogener Spielmannszug"). Daraufhin wurden wir zum Karnevalsumzug nach Duisburg eingeladen ("Und da war's kalt - brrr!"...).
Beim CDU-Ball in der hannoverschen Stadthalle wollte Ministerpräsident Albrecht unbedingt ein Gruppenfoto mit uns aufnehmen und dann eine Querflöte spielen (hat nicht so ganz geklappt...).
Dann gab es noch eine wunderschöne und denkwürdige Fahrt nach Waidhofen, bei der Walter Schmalkuche am liebsten mit dem gesamten Spielmannszug ins Kloster gegangen wäre (hat, Gott sei Dank, auch nicht so ganz geklappt...).
Im Jahre 1986 stellte der Spielmannszug mit Monika Brandenstein, Walter Schmalkuche und Uwe Zieseniß gleich drei Schützenkönige (Da war es kein Problem, dass der Spielmannszug bei einigen Terminen zu spät erschien, denn irgendein König war ja immer mit Schuld!).
Trotzdem blieb der Generationenwechsel nach wie vor der Knackpunkt. Auf die Erfahrung der "Alten" konnte und wollte niemand verzichten - für die Probleme und Ideen der "Jungen" hatte niemand das richtige Händchen. Auf einer Spielmannszugversammlung im Jahre 1986 wurde erstmals die Bitte um Einstellung eines Ausbilders laut.
Im Mai 1988 richteten wir auf Initiative von Gerd Hoffmann zum ersten Mal ein Treffen ehemaliger Laatzener Spielleute aus. Alle Beteiligten waren erstaunt darüber, wie viele Namen so im Laufe der Zeit zusammengekommen sind - über 40 Einladungen haben wir schließlich verschickt. Knapp die Hälfte der Angeschriebenen fand sich dann am Abend vor Himmelfahrt im Schützenhaus ein und sie spielten unter der Stabführung des damals gerade 80 Jahre alt gewordenen ersten Ausbilders Franz Straczewski so als ob sie ihre Instrumente nie aus der Hand gelegt hätten. Es war eine gelungene Veranstaltung - auch wenn sie letztendlich nicht zum erhofften Erfolg führte: Keiner der Ehemaligen konnte für unsere aktive Truppe zurückgewonnen werden.
1989 gab es wieder einiges zu feiern: 85 Jahre Schützenverein, 35 Jahre Spielmannszug, das erste Schützenfest auf dem heutigen Festplatz an der Erich-Panitz-Straße, damals Stadthauptstraße genannt. Zum Auftakt des Festes wurde am Donnerstag im Park vor dem Alten Rathaus der Große Zapfenstreich durchgeführt. Walter Schmalkuche erhielt als letzter aktiver Spielmann aus der Gründungsformation von 1954 einen Erinnerungsteller für seinen 35-jährigen Einsatz. Er hätte damals gern den Tambourstab nach 10-jähriger Amtszeit an einen Jüngeren übergeben, aber es fand sich niemand. Walter erklärte sich dankenswerterweise bereit, dem Zug ein weiteres Jahr voranzugehen. Gerd Hoffmann stellte die erste Musikkassette mit Aufnahmen aus dem Repertoire des Spielmannszuges her. Heute, im Zeitalter der CD, kann man über die Tonqualität der Kassette sicherlich schmunzeln, aber damals - mitgeschnitten wurde auf den Übungsabenden mit dem Radiorecorder - war es für uns eine todernste und anstrengende Angelegenheit. Im September 1989 folgten wir einer Einladung nach Waidhofen - der Spielmannszug reiste geschlossen und gut gelaunt mit der Bundesbahn und verlebte wiederum einige sehr schöne Tage.