Spielmannszug
Chronik - "Die 90er I"
Am 4. Februar 1990 war es soweit: Thomas Brandenstein übernahm die Spielmannszugführung, Astrid Klattenburg (geb. Neupert) wurde seine Stellvertreterin. Walter Schmalkuche wurde zum zweiten Ehrenstabführer neben Gerd Hoffmann ernannt. Mit Gerd Hoffmann und Fred Hesse wurden auf eigenen Antrag erstmals zwei passive Spielleute im Spielmannszug Laatzen zugelassen. Seine Stabübergabe an Thomas Brandenstein (damals 25 Jahre alt) verband Walter mit der Hoffnung, dass die jüngeren Spielleute unter einer jungen Leitung nun auch endlich die von ihnen so lange geforderte bessere Betreuung erhielten. Die erste Aufgabe, die Thomas Brandenstein in Angriff nahm, war die Vorbereitung auf einen Spielmannszug - Wettstreit, der vom S.S.C. Hannover-Mittelfeld anlässlich seines zehnjährigen Bestehens ausgerichtet werden sollte. Es klappte auch alles so, wie es beim Üben geprobt worden war, aber es sollte dennoch bis heute der letzte in der Geschichte der Wettstreite gewesen sein, an denen der Spielmannszug Laatzen seit 1955 teilgenommen hatte...
Im September 1990 nahm dann eine kleine Abordnung Laatzener und Mittelfelder Spielleute erstmals gemeinsam am Schützenausmarsch in Emden teil. Doch dazu später noch etwas mehr. Nachdem Thomas bereits seit einiger Zeit aus beruflichen Gründen seiner Heimat Laatzen den Rücken kehren musste, hatte er 1991 überhaupt nicht mehr genügend Freizeit, um dem Spielmannszug Laatzen weiterhin zur Verfügung zu stehen. Dennoch gebührt Thomas an dieser Stelle ein großes Dankeschön, dass er in einer schwierigen Situation den Mut hatte, die Verantwortung für den Spielmannszug zu übernehmen.
Im September 1991 musste seine kommissarische Nachfolgerin, Astrid Klattenburg, eine Spielmannszugversammlung einberufen und notgedrungen die schwierige Frage stellen: Wer macht überhaupt noch weiter? Sie schaute überwiegend in sprachlose Gesichter. Man konnte sicherlich von einem Tiefpunkt in der Geschichte des Spielmannszugs Laatzen sprechen. Gerd Hoffmann meldete sich wieder einmal in unnachahmlicher Weise zu Wort und sprach von einer momentanen Durststrecke, die es zu überwinden galt. Alle anwesenden 14 (!) Spielleute sprachen sich dann dafür aus weiterzumachen und den Spielmannszug nicht einfach so untergehen zu lassen. Jürgen Koch, der bisherige Jugendspielmannszugleiter, schlug vor, dass Jugendzug und Stammzug ab sofort gemeinsam üben sollten und zwar mit Hilfe eines fachkundigen Ausbilders. Vereinsvorsitzender Reinhard Dyck sicherte die Unterstützung in jeder Art und Weise seitens des Vorstandes zu. Jürgen Koch wurde einstimmig zum stellvertretenden Spielmannszugführer ernannt. Astrid Klattenburg bemühte sich in der Folgezeit darum, befreundete Spielmannszüge als Unterstützung für ein Zusammenspiel zu gewinnen. Die Spielleute vom S.S.C. Hannover-Mittelfeld, mit denen wir schon seit einigen Jahren freundschaftlich verbunden waren und die vom Repertoire her sehr gut zu uns passten, erklärten sich auch sofort bereit mit uns eine Spielgemeinschaft zu gründen. Doch leider konnten sich die damaligen Vereinsvorstände nicht auf eine gemeinsame Marschordnung der jeweiligen Schützenabteilungen einigen. Mit dem Spielmannszug Süd-Ost-Hannover fand Astrid Klattenburg dann den richtigen Partner für ein Zusammenspiel und in gewisser Weise schließt sich hier ein Kreis, denn schließlich waren es ja bereits 1954 die Spielleute vom Süd-Ost-Hannover, die dem jungen Spielmannszug Laatzen die erforderliche Atemluft einhauchten.
Im Oktober 1992 wurden von der Spielmannszugversammlung einige Randbedingungen für das Zusammenspiel mit Süd-Ost-Hannover festgelegt: Stabführung und Pauke sollten von Laatzen gestellt werden, es sollte mit Ces-Flöten und überwiegend Laatzener Märsche gespielt werden. Schon bald sollte sich allerdings zeigen, dass diese Forderungen so nicht zu erfüllen waren, und zwar weil die Laatzener Spielleute vielfach nicht zu ihrem Wort standen und meistens durch Abwesenheit glänzten. Trotzdem entwickelte sich im Laufe der Jahre mit Süd-Ost-Hannover eine erfolgreiche Spielgemeinschaft und es wurden viele schöne gemeinsame Stunden verlebt.
Dass die Laatzener Spielleute in punkto Feiern immer noch in die erste Liga gehören, zeigte sich auf einer Spielmannszugfahrt in die Rhön im April 1993. Aber bereits im Oktober 1993 flammte erneut die Diskussion auf, den Spielmannszug Laatzen aufzulösen. Astrid Klattenburg sprach dann ein Machtwort: das 40-jährige Jubiläum im Jahre 1994 wird auf jeden Fall durchgezogen, egal was danach passiert! Im November 1993 wurde erneut ein Ehemaligentreffen veranstaltet und es brachte den gleichen Erfolg wie fünf Jahre zuvor: Es war ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten, aber es ergab keine Unterstützung für die aktive Truppe.
Im Februar 1994 konnte dann endlich ein Ausbilder verpflichtet werden. Es wurde Horst Babbel, der Stabführer des Südstädter Spielmannszuges. Auch die Spielgemeinschaft mit Süd-Ost-Hannover spielte sich, im wahrsten Sinne des Wortes, immer besser ein. Den Spielleuten um Dirk Richey und Marc Fischer sei daher auf diesem Wege auch noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön ausgesprochen. Es folgten unzählige schöne Stunden in der Gemeinschaft der Spielleute. Natürlich war es nicht allein ein Nehmen der musikalischen Unterstützung aus Süd-Ost-Hannover. Einige Laatzener Spielleute gaben sich auch gern bei den Auftritten der Unterstützer mit ein. Ihnen werden die Teilnahme an den Schützenfesten in Barnten, Limmer und Springe oder bei der Königsabholung der Majestäten vom S.O.H. noch in bester Erinnerung bleiben. Kaum ein Wochenende war damals spielfrei....
Einige Unentwegte aus der damaligen Spielgemeinschaft marschieren noch heute als "Verrückte Hühner'S" (wobei die drei Großbuchstaben die Vereinigung Hannoverscher Spielleute symbolisieren soll) mindestens einmal im Jahr beim Hannoverschen Karnevalsumzug mit...