Spielmannszug
Chronik - Heute I
Oftmals totgeglaubt, mehrfach von der Schippe gesprungen... wie kommt's, dass der Spielmannszug Laatzen immer noch existiert? Ich meine, der Grund dafür beruht auf mehreren Säulen:
Da ist zum Ersten die Truppe selber:
Weil wir nur noch so wenige Spielleute sind, sind wir im Großen und Ganzen immer auf derselben Wellenlänge. Es gibt nicht die "Guten" und die "Schlechten", jeder gibt stets sein Bestes und niemand muss Angst haben sich in irgendeiner Form zu blamieren. Die meisten sind auch privat gut befreundet und treffen sich auch dann und wann außerhalb des Vereinslebens. Übrigens meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Kriterium, welches schon in den siebziger Jahren für den Erfolg des damaligen Jugendzuges mitentscheidend war.
Da ist zum Zweiten natürlich die Spielmannszugführerin:
Auch wenn sie es selbst nicht gern zugibt, lebt sie schließlich doch fast nur für ihren Zug. Und wenn es dann ´mal wieder ganz dicke gekommen ist und sie am liebsten die Brocken hingeschmissen hätte, steht sie wieder auf und telefoniert und bettelt und organisiert. Manchmal dann sogar ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Sie hat dafür gesorgt, dass wir uns auch als kleine Truppe sehen lassen können und dass beim Standspiel auch die älteren Spielleute wieder mit dabei sind. Natürlich würde sie manchmal viel lieber ohne jegliche Verantwortung einfach nur ihr Instrument spielen, aber sie weiß auch, dass der Spielmannszug Laatzen einen nochmaligen Neubeginn in der jetzigen Situation wohl kaum überleben kann.Also, lasst uns Kirsten in jeglicher Form unterstützen und entlasten, denn nur dann können wir hoffen auch das 60-jährige Spielmannszugjubiläum noch feiern zu können!
Und dann sind da zu guter Letzt natürlich noch die Freunde:
Von Anfang an lagen den Laatzener Spielleuten die kameradschaftlichen Beziehungen zu den benachbarten Spielmannszügen sehr am Herzen. Vor allem auf den Schützenfesten wurden und werden diese Beziehungen gepflegt und ausgebaut. Aber auch auf Spielmannszug-Wettstreiten wurden freundschaftlich die Kräfte gemessen. Unser Ehrenstabführer Gerd Hoffmann hat alle besuchten Wettstreit-Orte aufgelistet. Es begann am 25. September 1955 in Sarstedt (Trophäe damals: eine Wäscheleine!), führte von Herzberg am Harz bis Dorfmark in der Heide und endete vorerst 1990 in Mittelfeld. Seitdem wurden die Wettstreite - zumindest im Bereich des Verbandes Hannoverscher Schützenvereine (VHS) - abgelöst durch die Freundschaftstreffen, die durch die Spielmannszüge im VHS zu besonderen Anlässen (so zum Beispiel am 8. Mai 2004 in Laatzen) ausgerichtet werden und die sich sehr positiv auf die Förderung der Kameradschaft auswirken. Auf den auswärtigen Schützenfesten und den Freundschaftstreffen kommt man sehr schnell mit den befreundeten Spielmannszügen in Kontakt und so erfährt man natürlich auch, dass die eigenen Sorgen sich meistens nicht besonders von denen der Freunde unterscheiden.
Bild oben: Schützenausmarsch 1958 in Höhe des Laatzener Turms
Die Sitzungen des Musikausschusses unter der Leitung des Musikreferenten des VHS, Joachim Schieke, tragen darüber hinaus wesentlich dazu bei, dass die Spielmannszugführungen Probleme und Anregungen untereinander austauschen und Lösungen, von denen alle profitieren, erarbeiten können. Dieser Meinungsaustausch führte unter anderem dazu, dass wir uns angesichts des überall spürbaren Nachwuchsmangels nicht noch weiter das Wasser abgraben, sondern uns vielmehr gegenseitig unterstützen. Der Hilfe von Spielleuten aus befreundeten Vereinen ist es danach mit zu verdanken, dass wir bisher kaum einen Auftritt absagen mussten. So unbefriedigend es für einige sein mag, auf Hilfestellung zurückgreifen zu müssen, so schön ist es dennoch, gute Freunde hinter sich zu wissen. Es darf hier auch ruhig einmal gesagt werden, dass einige der befreundeten Spielleute häufiger bei uns mitspielen als es die eigenen Laatzener Spielleute tun...Hierbei möchte ich eigentlich niemanden hervorheben, aber dennoch ist es jetzt wohl an der Zeit - last but not least - auf die besondere Verbundenheit zum Spielmannszug des Schützencorps Emden einzugehen.
Die meisten der geneigten Leser werden sich vermutlich fragen: "Was, um alles in der Welt, verbindet eigentlich den Spielmannszug Laatzen mit Emden (oder, wie es der große Sohn dieser Stadt - Otto Waalkes - ausdrückt, der norddeutschen Großstadt mit einem Buchstaben)?" Nun, angefangen hat alles in den achtziger Jahren, als es einen Emder Spielmann, Ralf Fröhling, berufsbedingt nach Hannover verschlagen hatte. Ralf wollte auch in seiner neuen Heimat die Querflöte spielen und wurde Mitglied im S.S.C. Hannover-Mittelfeld. Es folgten einige Besuche der ostfriesischen und hannoverschen Spielleute untereinander aber so richtig Bewegung in die Beziehung kam dann 1991, als eine ziemlich starke Truppe hannoverscher Spielleute (übrigens überwiegend die Gründungsmitglieder der bereits erwähnten "Verrückten Hühner'S") mit der Bundesbahn zum Emder Schützenfest reiste. Ob eigentlich alle übrigen Mitreisenden davon begeistert waren, dass der Bistro-Wagen kurzerhand zur Spielmannszugbühne umfunktioniert wurde, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.
Diese Fahrt endete mit der Entführung unserer jetzigen Spielmannszugführerin aus ihrer norddeutschen Heimat nach Laatzen, von wo sie seitdem auch nicht mehr weg möchte, und für Insider mit der Erkenntnis, dass ich seit dem 13. September 1991 (fast) immer an (fast) allem schuld bin.